An der Ostelsheimer Steige bleibt das Feuer aus

Weil der Stadt. Sonnwendfeuer gehören zu den beliebtesten Festen des Sommers. Doch auf der Ostelsheimer Steige bleibt das weithin sichtbare Fanal in diesem Jahr aus. Der Weiler Fanfarenzug mochte sich auf die finanziellen Forderungen des Reitvereins nicht einlassen.

Von Stefan Bolz

40 Jahre lang hat in einer Samstagnacht um den 21. Juni herum an der Ostelsheimer Steige ein riesiges Feuer gebrannt - organisiert erst vom Fanfarenzug, dann von der Feuerwehr und dann wieder vom Fanfarenzug. Im 41. Jahr aber bleibt es dunkel - der Verein hat die beliebte Veranstaltung mit
Begleitprogramm und Barbetrieb abgesagt.

Was indes für Gerüchte gesorgt hat. Denn in den vergangenen drei Jahren war es rund um den alten Reitplatz oberhalb der Landesakademie für Jugendbildung immer wieder zu nächtlichen Schlägereien und Pöbeleien gekommen. Das offene Gelände mit den vielen Zugangsmöglichkeiten machte es für den Sicherheitsdienst sehr schwer, den Überblick zu bewahren. Die Vorkommnisse des vergangenen Jahres beschäftigen derzeit sogar das Leonberger Amtsgericht (wir berichteten). Dass aber die Absage etwas mit den Gewalttaten im Umfeld zu tun hat, bestreitet der Vorsitzende des Fanfarenzuges, Thomas Heisler, energisch. "Wir haben uns zusammen mit dem Ordnungsamt der Stadt gut vorbereitet und unser Sicherheitskonzept verbessert", betont Heisler.

Der Grund für die Absage liege woanders. Das Gelände an der Ostelsheimer Steige gehöre dem Reitverein, und der habe deutlich mehr Platzmiete als in den Vorjahren sowie einige andere Zugeständnisse verlangt. Man sei sich nicht einig geworden, vor allem weil der Fanfarenzug ein zu hohes finanzielles Risiko hätte eingehen müssen.

Auf der Homepage des Fanfarenzuges wird das Sonnwendfeuer bereits in Form einer Traueranzeige zu Grabe getragen. Doch so weit will Thomas Heisler gar nicht gehen. "Vielleicht ist es ja ganz heilsam, wenn wir ein Jahr aussetzen", meint der Vorsitzende nachdenklich. Ansonsten reiße der Ausfall des Festes natürlich ein Loch in die Vereinskasse. Ein Jahr könne der Verein zwar überbrücken, aber 2010 müsse sich der Fanfarenzug eine Ersatzveranstaltung ausdenken. "Mit den Vereinsbeiträgen lassen sich nicht einmal die Buskosten für die Auswärtstermine decken", weiß Thomas Heisler aus Erfahrung. Jeder Verein müsse deshalb schauen, dass er durch Veranstaltungen zusätzliche Einnahmen hat.

Immerhin müssen die Freunde von Feiern in der Mittsommernacht in Weil der Stadt und Umgebung nicht ganz auf dieses Vergnügen verzichten. Der Münklinger Kultur- und Heimatverein begeht die Sonnwende am Samstagabend um 18 Uhr auf der Münklinger Kuppelzen mit einem großen Fest. Und auch der Mönsheimer Schwimmclub feiert die kürzeste Nacht des Jahres - allerdings schon einen Tag früher, am heutigen Freitag. Um 19 Uhr beginnt die Party auf dem Freibad-Parkplatz. Nach Einbruch der Dunkelheit wird das große Sonnwendfeuer angezündet.

Leonberger Kreiszeitung, 19.06.2009