1962
Chronik
Die Idee zur Gründung eines Fanfarenzuges in Weil der Stadt entstand 1962 auf dem Landesfeuerwehrfest in Leonberg.
Die Leonberger Wehrleute hatten zu dieser Zeit bereits seit 11 Jahren einen eigenen Spielmannszug, welcher am dortigen Festumzug vor der Weiler Feuerwehr lief. Allerdings waren Querflöten nicht gerade der Geschmack der Weil der Städter Feuerwehrmänner. Es entstand der Gedanke eine spielfähige Truppe aus den eigenen Reihen zu Gründen, die die Kameraden auf Umzügen und Festen begleiten sollten – mit Trommeln und Trompeten. Louis Speidel und der damalige Gerätewart Max Buhl hielten an diesem Gedanken fest und schnell waren 13 aktive Feuerwehrmänner gefunden, die für die Idee, einen Fanfarenzug innerhalb der eigenen Reihen zu gründen, wortwörtlich Feuer und Flamme waren.
Die Männer hatten zwar jede Menge Enthusiasmus, aber keiner konnte ein Instrument spielen und so wurde der Musikdirektor der Stadtkapelle Weil der Stadt, Rolf Wiedemann engagiert.
[Herbert Angles, Rainer Bäuerle, Max Buhl, Fritz Dutt, Alfred Geiselhart, Rolf Huber, Raimund Kolb, Paul Mebes, Fritz Mundinger, Raimund Mundinger, Eberhard Riehle, Albrecht Siegle, Louis Speidel]
1963
Als Probenlokal diente in den Anfangsjahren mittwochs der Musiksaal der Schule im Augustinerkloster. Hier brachte ihnen Rolf Wiedemann das Spielen und selbstkomponierte, teils vierstimmige Musikstücke bei, was damals als einmalig in der Region galt. Um die Ausgaben zu decken, wurde zu jeder Musikprobe eine D-Mark einbehalten.
Zusätzlich wurde bei guter Witterung sonntagmorgens auf dem damaligen Reitplatz an der Ostelsheimer Steige geprobt. Damit die Proben nicht zu trocken waren, organisierte man Getränke für Spieler und Zuschauer, wodurch weiteres Geld in die schmale Kasse kam.
[Immer mittwochs nach der Probe zog man durch Weil der Stadts Gasthäuser und spielte noch einige Lieder. Im ’Gasthof zum Baum‘ spielte man immer solange, bis ein Glas aus der Vitrine fiel – zum Leidwesen der Wirtin!]
1964
Der rege Probenbesuch zeigte erste Ergebnisse – die ersten offiziellen Auftritte standen an. Um ein einheitliches Bild abzugeben spielten die Kameraden in der Ausgehuniform der Feuerwehr - auf dem Radfahrerfest in Ostelsheim, sowie auf dem Reiterfest in Weil der Stadt.

Die Auftritte wurden immer häufiger, ebenso wurde man fester Bestandteil der Weiler Fasnet. Hierzu fertigten sie sich einheitliche Kostüme an.

1968
Max Buhl und Raimund Mundinger, zwei engagierte Feuerwehrmänner sowie aktive Fanfarenzug-Mitglieder initiierten das erste Sonnwendfeuer an der Ostelsheimer Steige. Die Feuerwehr veranstaltete das Fest bis zur Vereinsgründung des Fanfarenzuges 1988, später wurde diese Tradition durch den Fanfarenzug bis 2008 weitergeführt. Seit 2011 wird diese Tradition durch einen Standortwechsel an die Stadtmauer aufrecht erhalten.
1969

Die Truppe gewann an Mitgliedern und man entschloss sich eine eigene Uniform anzuschaffen. Federführend für die Umsetzung war Louis Speidel. Die Feuerwehruniform machte der Landsknechtuniform Platz. Wams mit Stadtwappen, Pumphose, Hut mit Feder und Stiefel sollten es sein. Man hielt sich hierbei an die Stadtfarben – Schwarz, Gelb, Rot.
1970
Der Fanfarenzug nahm an mehreren Wertungsspielen teil und gewann in Kappelrodeck im Schwarzwald sowie in Mönsheim.
1971
Anlässlich des 400-jährigen Geburtsjubiläums von Johannes Kepler und der Eröffnung des Stadtmuseums am Marktplatz nahm der Fanfarenzug am Festumzug teil. Der Bekanntheitsgrad wuchs und so folgte ein Platzkonzert auf dem Schlossplatz in der Landeshauptstadt Stuttgart.
1977

Ende der 70er Jahre wurde es ruhiger um den Fanfarenzug und er verlor an Mitgliedern. Man spielte kaum noch Auftritte und zum Teil wurde auch das Proben eingestellt.
1981
Uwe Kummer, Markus Rüttiger und Hartmut Sigel mobilisierten alte Kameraden und der Fanfarenzug erhielt dadurch einen neuen Aufschwung und frisches Blut. Er gewann an neuen Mitgliedern, Julius Bott übernahm die Aufgabe des Tambourmajors.
Auftritte spielte man zu dieser Zeit in weißem Hemd und schwarzer Hose.
1983
Zwei Jahre nach dem Generationenwechsel entwarf Otto Gann die neue Landsknechtuniform. Bestehend aus Wams, schwarzer Hose, Stiefeln und Barett - in den Farben Schwarz und Bordeauxrot.
1984
Schnell gewann man wieder an Zuspruch. So kam es, dass man das erste Mal zum Kölner Rosenmontagszug eingeladen wurde. Im ersten Jahr wurden die Kostüme, wie bei den anderen Musikgruppen auch, durch das Festkomitee gestellt. Bereits im zweiten Jahr durfte man in der eigenen Uniform spielen, da sie gut zu den damaligen Farben der Tanzgruppe passte.
[Der Rosenmontagszug in Köln ist bekannt für seine Unmengen an Wurfmaterial aus Blumen, Schokolade und Bonbons – vor allem mit Letzterem machten die Männer im ersten Jahr eine schlechte Erfahrung: Es hing so viel klebrige Masse an ihren Schuhen, dass in den darauffolgenden Jahren nach dem Umzug der Bus nur noch mit Hausschuhen betreten werden durfte.]
1985

Der Fanfarenzug begleitete den Fellbacher Carneval Club von nun an zehn Jahre lang durch die Kampagne. Man spielte zum Ein- und Ausmarsch, sowie zu zahlreichen eigenen Auftritten während der Veranstaltungen. Oft waren es bis zu acht Auftritte an einem Abend.
Dazu kamen gemeinsame Auftritte bei den Sixdays, einem Sechs-Tage-Radrennen in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyerhalle.
Ebenso unternahm man 1995 einen gemeinsamen Ausflug an den Comer See in Norditalien.
Auch heute pflegt der Fanfarenzug noch eine gute Beziehung nach Fellbach und unterstützt den Carneval Club musikalisch bei einigen Veranstaltungen.
1987
Zum ersten Mal fuhr der Fanfarenzug auf die Iberische Halbinsel. Eine einwöchige Tournee durch den Süden Spaniens – Callela sollte das Ziel sein. An einem eintägigen Ausflug ging es nach Barcelona zum ‘III. Festival Juvenil International de Musica‘, einem Musikertreffen mit Ritterspielen und Hexenverbrennung. Dort spielte man vor 3000 Zuschauern in der Arena auf ‘Castell Medieval‘. Als Vertreter der Region wurden die Kameraden von Stadt und Land für diese Reise finanziell unterstützt.
Die Zeit in Spanien gefiel allen sehr gut, sodass dies nicht der letzte Besuch bleiben sollte.
Neben der Spanienreise ging es in diesem Sommer das erste Mal in die Hansestadt Hamburg. Dort nahm man an der Musikparade zum Hamburger Hummelfest teil. Es folgten in den darauffolgenden Jahren noch 3 weitere Teilnahmen.

1988
Der Anteil der Feuerwehrmänner in der Truppe wurde immer kleiner. So folgten, auch aus versicherungstechnischen Gründen, die Abkopplung aus dem Bereich der Feuerwehr und die Eintragung ins Vereinsregister. Martin Mareska hatte sich als Vorstand dieser Aufgabe angenommen.
Ebenfalls konnte in diesem Jahr der frisch gegründete Verein auf sein 25-jähriges Bestehen zurückblicken. Dieses Jubiläum wurde am Festwochenende im Juni mit einer Hallenveranstaltung, dem Sonnwendfeuer und einer Ausfahrt nach Wildberg ausgiebig gefeiert.
Nach kurzer Erholung während der Sommermonate folgte im Herbst eine weitere Ausfahrt nach Hamburg-Stellingen, dort feierten Musikkameraden ihr 100-jähriges Bestehen. Ebenso stand eine weitere Reise nach Spanien an, nach Salou in der Provinz Tarragona.
[Anlässlich des Jubiläums richtete man beim Sonnwendfeuer einen musikalischen Wettstreit aus, Ziel war auf der Fanfare den längsten Ton auszuhalten. Schiedsrichter des Wettbewerbs waren die Stadträte Roland Prohaska (SPD) und ‘Trommler‘ Helmut Kadasch (CDU). Die größte Ausdauer hatte neben den Schiedsrichtern Winfried Diebold und gewann somit ein Erlebniswochenende mit dem Fanfarenzug in Spanien.]
1992

„Der Kaiser besucht die Stadt“ - unter diesem Motto stand der Umzug zum 750-jährigen Stadtjubiläum. In historischen Gewändern nahmen an diesem Umzug acht Bläser und Trommler teil.
Zum ersten Mal richtete der Verein das Maibaumstellen auf dem Marktplatz aus. Um sich finanziell vor schlechtem Wetter am Sonnwendfeuer absichern zu können, entschloss man sich die vergessene Tradition wieder aufleben zu lassen.
[Da man der Technik der Schwalben nicht richtig getraut hat wurde zur Absicherung ein Kranwagen als Hilfe genommen. Aus Furcht vor dem Ausgang der Aktion hat sich der damalige Vorstand hinter dem „Bartel-Eck“ versteckt, bis der Baum sicher stand.]
Im Herbst des Jahres stand die dritte und vorerst letzte Reise nach Spanien an, wie schon 1987 nach Callela.
1994
Eine neue Ära begann, denn in diesem Jahr gab Julius „Jusi“ Bott nach 17 Jahren die musikalische Leitung weiter. Sein Nachfolger, Uwe „Jolles“ Drohla, steht ab sofort an der Spitze. Dieser gibt seither dem Verein mit Samba und Rock n‘ Roll seine eigene Note.
1998
Im Februar 1998 strahlte der Südwestfunk im ‘S4 Morgenläuten‘ ein ‘Ortsportrait von Weil der Stadt‘ aus. Zwei Titel wurden im Radio gesendet, die Aufnahmen hierzu wurden in der städtischen Aula vorgenommen.
1999
Musikalische Umrahmung der Totalen Sonnenfinsternis (Spectaculum historicum der Stadt Weil der Stadt).
2003
Wie bereits 1988 feierte man mit einer Hallenveranstaltung und einem zusätzlichen Ehrenabend in der Wendelinskapelle sein 40-jähriges Bestehen. Gäste waren der Fanfarenzug Markgröningen, die Guggenmusik ‘Bodenbachsymphoniker‘ aus Wernau und die Narrenzunft Weil der Stadt. Ebenso konnte man die Kölner Freunde, die Tanzgarde ‘Lyskircher Hellige Knäächte un Mägde‘ begrüßen, welche dem Publikum eine tolle Show lieferten.
2005
Wie schon 2002 besuchte man wieder die Kirmes der ‘Lyskircher Hellige Knäächte un Mägde‘ in Köln.
Auch über ein eigenes Vereinsheim freute man sich in diesem Jahr. Städtische Räume im alten Steinhaus werden vom Verein für Sitzungen und zum gemütlichen Beisammensein genutzt.
2009
Stolze 40 Jahre lang hat jedes Jahr an der Ostelsheimer Steige ein riesiges Feuer gebrannt. Aus verschiedensten Gründen blieb nun im 41. Jahr das Feuer aus. Seit 2010 veranstaltet der Fanfarenzug nun eine SonnwendFeier - ein gemütliches Fest mit Live-Musik entlang der historischen Stadtmauer.
2010
Zum ersten Mal wurde der Verein zum ‘Pfifferdaj‘ nach Ribeauvillé, dem Nachbarort von Riquewihr eingeladen.
Der „Pfeifertag“, welcher auch als „Fest der Stadtmusikanten“ beschrieben wird, ist das größte und älteste Folklorefest im Elsass. Ein ganzer Ort verwandelt sich dabei in ein umwerfend authentisches mittelalterliches Spektakel. Den Höhepunkt bildet dabei ein Umzug mit aufwändigen Festwägen und mehr als 1500 Mitwirkenden.
2012
Rechtzeitig, noch vor dem Jubiläum, findet im Herbst eine professionelle CD-Aufnahme statt. In einem Tonstudio in Merklingen werden ein ganzes Wochenende lang neue, sowie traditionelle Lieder aufgenommen. Das Resultat ist eine CD mit 13 Titeln, die seit dem Jahreswechsel bei den Kameraden erhältlich ist.
2013
In seinem Jubiläumsjahr ist der Fanfarenzug an der Fasnet mit einem eigenen Wagen beteiligt, läuft zum 31. Mal den Kölner Rosenmontagszug mit, veranstaltet zum 22. Mal das Maibaumstellen und zum vierten Mal die SonnwendFeier an der Stadtmauer.
Die Zahl der aktiven Spieler liegt heute bei 44, insgesamt zählt der Verein 121 Mitglieder. In den letzten Jahren hat der Verein eine starke Jugend aufgebaut, mit der man wieder auf Probewochenenden fährt oder eigene Sommerwanderungen organisiert.
Kurz gefasst: Man ist fester Bestandteil der Stadt und bekannt in der ganzen Region.
Höhepunkt war das 50-jährige Vereinsjubiläum mit Festakt und der Hallenveranstaltung am 09. November 2013.
2020
Die Corona Pandemie machte dem Vereinsleben einen Strich durch die Rechnung. Statt Kameradschaft und Musik gab es Kontaktverbot und Maskenpflicht. Sporadisch waren einige Musikproben im Freien und unter strengen Hygienekonzepten möglich. Jedoch wurden alle Auftritte für dieses Jahr abgesagt.
2022
Nach der überstandenen Corona Pandemie konnte der Fanfarenzug wieder erfolgreich nach vorne blicken. Neue Mitglieder und eine neu für uns gebaute Vereinshalle im Sägeweg stehen für den Aufschwung.
2023
Im Jubiläumsjahr des Fanfarenzugs ging es nach einigen Jahren Pause wieder zum Rosenmontagszug nach Köln.
Für das 60-Jährige Bestehen des Vereins wurde am Freitagabend eine Vernissage veranstaltet von Romain Burgy in der Wendelinskapelle veranstaltet.
Der Höhepunkt des Jubiläums war ein 2-Tägiges Fest auf dem Marktplatz. Sonntags stand ein Jubiläumsumzug mit Oldtimern, dem Fanfarenzug aus Bad Urach und den Musikgruppen aus Weil der Stadt an.
